SPD Waiblingen

Stellungnahme zum Tagesordnungspunkt „Grünes Hochaus“ im Gemeinderat Waiblingen am 20. Juli 2017

Fraktion

Ich bedauere außerordentlich, dass dieser Gemeinderat nicht mit Sympathie und Mut an dieses Projekt herangeht. Und ich muss sagen, dass mich das äußerst frustriert, was meine Vorredner von Ali, CDU und DFB vor sich gegeben haben.

Die SPD-Fraktion tritt dafür ein, die Chance jetzt zu ergreifen und das „Grüne Hochhaus“ auf den Weg zu bringen. Auch das von der Firma Archy Nova vorgeschlagene Modell

energiesparende Bauweise,
energieeffizienter Betrieb,
soziale Angebote an die künftigen Bewohner i.S. eines   Mehrgenerationenhauses hätten es durchaus verdient, näher untersucht zu werden. Alles Dinge, von den wir sonst gerne reden.

Wir hätten mit diesem Projekt die Chance, Waiblingen als innovativ und zukunftsorientiert zu präsentieren. Wir sind der Meinung, dass solchen Projekten, gerade in Ballungsräumen, die Zukunft gehört. Das ist jetzt schon in aller Munde und ich kann gut verstehen, dass die Firma Archy Nova die Gelegenheit gerne genutzt hätte, um das Projekt hier nochmals zu präsentieren und damit öffentlich zu  bewerben.

Man lese die Zeitung:

In Stuttgart hat für ein 60-Meter hohes Hotelprojekt am Mailänder Platz in einem Architekturwettbewerb ein Vorschlag gewonnen, der eine begrünte Fassade vorsieht, begrünt mit Reben wohlgemerkt.

Es wäre für Waiblingen doch ärgerlich, wenn entlang der Rems ein „Grünes Hochaus“ entstehen würde, das auf unsere Idee zurückgeht. Und ich bin mir sicher, dass so etwas kommen wird.

Ich habe wenig Verständnis für die verbissene und emotionale Ablehnung, die immer wieder zu Tage tritt. Statt Haare in der Suppe zu suchen, könnte man so ein Thema auch mit Mut und Vertrauen in eine kompetente Verwaltung angehen.

Wir sollten nicht nur mit Begeisterung solche Dinge machen wie „WN leuchtet“, Heimattage oder eine Gartenschau. Solche Marketingprojekte sind auch wichtig, aber gelegentlich sollten wir auch Habhaftes schaffen und Neues erwägen. Immer nur Abwehrdiskussionen zu führen wie bei der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes oder des Bike-Towers werfen kein gutes Licht auf eine Kreisstadt, die sich gerne als innovativ und fortschrittlich darstellt.

Ich appelliere daher an jedes einzelne Ratsmitglied, die bisherigen Emotionen beiseite zu schieben und nochmals neu nachzudenken.

Wie sind die Fakten:

Wir haben seit ca. 20 Jahren ein baureifes Grundstück. Die vorgesehene Hochhausbebauung stammt aus dem Wettbewerb für die Bebauung Korber Höhe II.

Der Preis, den dieser Bauplatz – natürlich nur mit der bestehenden baulichen Nutzungsmöglichkeit – bringt, ist hoch interessant. Geld, das wir angesichts der Projekte, die wir in Waiblingen zu schultern haben, dringend brauchen können. Wir sollten nicht nur auf die Gewerbetreibenden und ihre Gewerbesteuerzahlungen hoffen, wir können durchaus auch mal selbst etwas dafür tun, dass Geld in die Kasse kommt.

Die Zeiten, um einen Bauplatz zu verkaufen, und Wohnraum zu schaffen sind äußerst günstig. Wohnraum wird dringend benötigt, die Nachfrage ist riesig. Der Markt ist da. Man fragt sich: Wann, wenn nicht jetzt?

Freie Bauflächen sind kaum noch vorhanden, neue Baugebiete kaum noch zu verwirklichen. Ökologisch oder für die Landwirtschaft viel zu wertvoll. Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als künftig in die Höhe zu bauen.
Neue Wohnformen, Mehrgenerationenwohnen, neue Formen des Zusammenlebens, Energieeffizienz, Möglichkeiten für kostengünstiges Wohnen. Wir hätten hier die Chance, hiervon einiges zu verwirklichen.

Die Gestaltung als „Grünes Hochhaus“ wäre natürlich ein deutschlandweites Experiment. Das gibt dem Projekt aber auch eine besondere Note. Wir haben von Anfang an auf eine gärtnerische und wissenschaftliche Begleitung bestanden. Wie wir gehört haben, funktioniert die Begrünung. Die Begrünung ist zu sichern, so wäre der Verhandlungsauftrag an die Verwaltung. Ob’s dauerhaft funktioniert, wissen wir nicht. Das können wir aber dann getrost in die Hände der künftigen Eigentümergemeinschaft legen.
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Der Investor bietet an, kostengünstige Mietwohnungen zu errichten. Das wollen wir doch, das brauchen wir. Der Verhandlungsauftrag an die Verwaltung verlangt, dies festzuschreiben. Warum sollen wir das kritisieren, wenn der Investor das akzeptiert? Ich kann mir sogar vorstellen, dass sich das für den Investor rechnet, weil er für weniger günstig gelegene Wohnungen – die es dort ja auch gibt – sogar noch Fördermittel erhalten kann.

Die Serviceleistungen, die Archy Nova für den künftigen Betrieb des Hauses vorschweben, sind doch durchaus positiv zu bewerten:
Gemeinsame Küche mit Möglichkeiten für Mittagstisch
Gemeinsame Waschküche
Gemeinsame Gästezimmer.

Was spricht eigentlich dagegen? In einem Hochhaus eine gemeinschaftliche Waschküche zu haben, ist andererseits auch nichts Ungewöhnliches. Einen Gemeinschaftsraum und Gästezimmer für eine große Eigentümergemeinschaft sind doch positiv zu werten. Angebot für Mittagstisch? Alles positiv zu werten. Genau so etwas wollen und brauchen wir für die Zukunft. (Einen Gemeinschaftsraum haben wir dem Investor beim Projekt Karlsstaße übrigens abgerunden und vertraglich fixiert).
Wenn es nicht funktionieren sollte, wird doch eine  Wohnungseigentümergemeinschaft wissen, was sie mit diesen Räumen anfangen kann. Und wenn sie sich nur als Hausmeisterwohnung nutzt oder vermietet.

5 Elektrofahrzeuge sollen den Bewohner zur Verfügung stehen. Ist doch positiv zu bewerten, haben wir neulich in Frankfurt besichtigt und für wegweisend empfunden. Ob das hier auch funktioniert, können wissen wir nicht wussen.

Aber das sind doch alles Dinge, die für uns als GR nicht ausschlaggebend sein können.

Liebe DFB – Fraktion: Wir müssen uns doch nicht mit der Nebenkostenabrechnung der künftigen Eigentümergemeinschaft befassen, es ist doch nicht Sache des Gemeinderats, dem Investor Vorschläge über die Bäderausstattung zu machen oder darüber zu urteilen, ob er Mittagstisch ermöglichen will.

Unsere Aufhabe als GR ist es, und das ist der vorliegende Beschlussvorschlag der Verwaltung: Projekt auf die Schiene setzen.

Die Verwaltung wird mit der Umsetzung beauftragt und muss unsere Kriterien erfüllen als da sind:

Der Preis muss stimmen

Das Grüne Hochhaus muss verwirklicht und gesichert werden

Die Finanzierung nicht nur des Bauplatzes, sondern auch des Bauwerks muss gesichert sein.

Für uns ist klar, dass Vertragsabschlüsse und Baubeginn seitens der Verwaltung erst in Aussicht gestellt werden dürfen, wenn diese Vorgaben nach Überzeugung der Verwaltung eingehalten sind. Dafür ist aber eindeutig die Verwaltung verantwortlich.

Im Hinblick auf das vorgeschlagene „Genossenschaftsmodell“ noch ein Satz:

Ich bedaure sehr, dass man der Fa. Archy Nova nicht die Chance gegeben hat, dieses Modell hier öffentlich vorzustellen. Ich hätte dazu durchaus kritische Fragen gehabt.

Daher wäre meine weitere Vorgabe an die Verwaltung: Egal, wie ihr es macht, es müssen Vorkehrungen getroffen werden, dass ein solches Gebäude nicht irgendwelchen Finanzjongleuren in die Hände fällt.

Nochmals: Der Vorschlag der Verwaltung ist wegweisend und wir sollten ihm zustimmen.

Roland Wied, Fraktionsvorsitzender