SPD Waiblingen

Wohnraumgipfel

gemeinsamer Antrag der Fraktion die Grünen, SPD-Fraktion und Alternative Liste

  1. Die Verwaltung wird beauftragt, einen Wohnraumgipfel für den Gemeinderat vor der Sommerpause 2026 zu organisieren, der folgende Zielsetzungen verfolgt: Entwicklung einer datengestützten, sozial ausgewogenen Wohnraumpolitik, u.a.: Einbindung von relevanten Akteuren (Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften, Eigentümerverbände, Sozialverbände, Mieterverein, Seniorenvertretung) Diskussion konkreter Maßnahmen zur Wiederbelebung von Leerstand und Förderung von bezahlbarem, altersgerechtem Wohnraum mit Beauftragung und Beteiligung eines Sachverständigen (z.B. Stefan Flaig) mit u.a. der Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen für eine zeitnahe Strategieplanung für die zeit- und bedarfsgemäße Weiterentwicklung von voraussichtlich nutzbaren innerstädtischen Flächen (z. B. Gelände der Diakonie Stetten in der Oppenländerstraße).
  2. Aufgrund der Relevanz der Thematik beantragen wir eine Behandlung des Antrags im Gemeinderat, obwohl die beantragte Summe eine Behandlung im zuständigen Ausschuss rechtfertigen würde.

Zielsetzung des Wohnraumgipfels:
Der Wohnraumgipfel soll als zentraler Impulsgeber für eine nachhaltige Wohnraumentwicklung dienen und Antworten auf folgende Fragen liefern:
Wie können leerstehende Wohnungen wieder dem Markt zugeführt werden?
Welche Anreize können Eigentümer:innen zum Vermieten oder zur Umnutzung erhalten? Wie kann die Stadt Genossenschaften gezielt fördern, um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen? Welche Rolle spielen kommunale Wohnungsgesellschaften, Sharing-Modelle oder neue Wohnformen (z. B. Mehrgenerationenwohnen)? Welche Planungs- und Förderinstrumente stehen zur Verfügung, um gezielt altersgerechten Wohnraum zu schaffen?


Begründung:
Die aktuelle Analyse der Wohnsituation in Waiblingen (Flaig, 2023) zeigt deutliche strukturelle Fehlentwicklungen im lokalen Wohnungsmarkt:
Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot: Von 2013 bis 2023 wurden zwar 1.373 neue Wohnungen geschaffen, jedoch ist die Zahl der Haushaltsnachfrager im selben Zeitraum um 2.067 gestiegen. Leerstandspotenzial wird nicht ausgeschöpft: 2022 waren 952 Wohnungen ungenutzt.  Demografische Veränderungen: Die Stadt steht vor einem strukturellen Wandel – weniger junge Familien, dafür mehr kleinere und ältere Haushalte (Remanenzeffekt). Unzureichende Fokussierung: Trotz hoher Ein- und Zweifamilienhausquote (72 %) werden weiterhin neue Baugebiete gefordert, während vorhandene Ressourcen ungenutzt bleiben.  Fehlende bezahlbare und altersgerechte Mietwohnungen: Ein wachsender Bedarf, der bisher nicht ausreichend bedient wird. Der Wohnraumgipfel soll die geplante Entwicklung in Anbetracht der aktuellen baupolitischen Landschaft einordnen und sinnvolle Maßnahmen ableiten. Die Hoffnung, dass die Wohnungskrise allein durch den altersbedingten Auszug der Babyboomer gelöst wird, liefert keine abschließenden Lösungen: Viele ältere Menschen bleiben in ihren großen Wohnungen, da barrierefreie Alternativen fehlen und die Marktpreise abschrecken. Frei werdender Wohnraum wird oft nicht als bezahlbare Mietfläche weitergegeben, sondern gewinnorientiert neu vermietet. So kommen Experten immer wieder zu der Empfehlung, ungenutzten Wohnraum bei Babyboomern durch Untermiete, Umbau und kommunale Programme zu aktivieren – mit dem Potenzial, jährlich 100.000 Wohnungen zu mobilisieren (Fuhrhop, 2025). Auch weisen Sachverständige darauf hin, dass der geplante Bauturbo die Zersiedelung in ländlichen Regionen, höhere Infrastrukturkosten und ökologische Schäden zur Folge haben könne, ohne dem tatsächlichen Wohnraumbedarf signifikant entgegenzuwirken. Ein Fokus auf Neubau am Stadtrand gefährde die Wiederbelebung leerstehender Immobilien und die Innenentwicklung (Matthias Jehling, ZEIT Oktober 2025), dem durch eine stärkere regionale Planung begegnet werden könne. Weitere Problemlagen zeigen sich durch die Entwicklungen innerhalb der Baubranche und der bereits verknappten Verfügbarkeit der erforderlichen Gewerke.

Eine umfassende Betrachtung und Situationsanalyse erscheint uns daher vor der Einleitung konkreter Maßnahmen erforderlich.
Waiblingen braucht eine zielgerichtete, realitätsnahe, nachhaltige, klimaneutrale und sozial ausgewogene Wohnstrategie, die bestehende Potenziale nutzt, statt neue Flächen zu versiegeln. Ein kommunaler Wohnraumgipfel ist dafür der notwendige erste Schritt.
 

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