SPD Waiblingen

Waiblinger Gespräch zu Organspenden - "Jeder sollte sich entscheiden"

Veröffentlicht am 24.04.2013 in Pressemitteilungen

Ortsvereinsvorsitzender Jörg Buchholz, Landessozialministerin Katrin Altpeter und Martin Kalus (von Links)

Jeder sollte sich beim Thema Organspende entscheiden, schon um im Falle eines Unfalls die eigenen Angehörigen zu entlasten. Das war das Fazit des Vortrags von Martin Kalus beim Informationsabend der Waiblinger SPD am 11. April 2013 im Forum „Mitte“. Kalus ist der Koordinator des Stuttgarter Transplantationszentrums. In seinem Vortrag unter dem Motto „Fürs Leben - für Organspende“ schilderte er die Situation in Deutschland. Etwa 12000 Menschen warteten auf ein Spenderorgan, zwei bis drei würden täglich sterben, weil sie kein Organ erhalten haben. Die durchschnittliche Wartezeit betrage sieben bis neun Jahre. In Deutschland gebe es durchschnittlich 14,7 Spender pro eine Million Einwohner, Baden-Württemberg sei mit 10,7 Spendern sogar das Schlusslicht. Zum Vergleich nannte er die Quote in Spanien, die mit 32 Spendern auf eine Million Einwohner die höchste in Europa sei.

Landessozialministerin Katrin Altpeter betonte in ihrem Grußwort, dass auch sie Organspenden für wichtig halte. Sie räumte ein, dass es in Baden-Württemberg die niedrigste Spenderquote gebe. Andererseits zeichneten sich die Krankenhäuser im Land durch eine besonders hohe Qualität bei Organspenden aus. Der Ortsvereinsvorsitzende Jörg Buchholz stellte in seiner Begrüßung fest, dass das Thema Organspende viele Menschen verunsichere. Er hoffe, mit der Veranstaltung gelinge es der Waiblinger SPD, dieser Verunsicherung entgegen zu wirken.

Anschließend erklärte Kalus ausführlich die Vorgänge und die Zahlreichen Tests bei einer Organtransplantation. Offen ging er auf die unterschiedlichen Meinungen zum Hirntod-Konzept ein und meinte, dass er persönlich nach seiner langen Arbeit auf Intensivstationen nicht am Hirntod zweifele. Mindestens zwei Ärzte müssten in einem genau geregelten Verfahren den Hirntod bestätigen, bevor Organe entnommen werden dürfen. Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung seien Organspenden nicht nur auf junge Patienten beschränkt. Spenden von älteren Personen für ältere Personen seien schon lange keine Ausnahme mehr. Er schilderte Fälle von älteren Organempfängern, die durch eine Transplantation noch viele Lebensjahre dazu gewonnen haben.

Martin Kalus schilderte die Rechtslage, nach der die Angehörigen eines Sterbenden nach dessen Meinung zur Organspende gefragt werden. Schon allein darum plädierte er dafür, dass sich jeder eine Meinung dazu bilden soll – welche, bleibt jedem selbst überlassen. Dabei reiche es nicht, wenn man nur einen Spenderausweis ausfüllt, vor allem sollte man seine Angehörigen über seine Meinung informieren. Nur könne man die zusätzliche Belastung seiner Familie vermeiden. In 40 Krankenhäusern dürften in Deutschland Organe transplantiert werden, davon befänden sich fünf in Baden-Württemberg. Wenn Organe verfügbar werden, stehe die Deutsche Stiftung für Organtransplantationen 356 Tage im Jahr rund um die Uhr dafür zur Verfügung. Deutschland sei mit sieben anderen Ländern Mitglied bei Eurotransplant, so dass Organe auch international verfügbar seien.

Bei der anschließenden Diskussion meinte Kalus, dass die Manipulationen beim Organspendeskandal im Jahr 2012 Verbrechen seien, die bestraft werden müssten. Selbst wenn das Motiv gewesen sei, den eigenen Patienten zu helfen und keine materiellen Interessen mit dabei im Spiel gewesen seien, hätten die Beteiligten das Leben anderen Patienten auf der Warteliste gefährdet. Während des regen Meinungsaustauschs zeigte sich, dass die Anwesenden sehr unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen zu dem Thema Organspenden hatten. Darum wurde die offene Diskussion darüber allgemein begrüßt.

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