Interessante Hintergründe zur Waiblinger Hoteldebatte präsentierte Stefanie Vitez den Waiblinger Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten bei der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins am 23. Mai 2012 im Kulturhaus Schwanen. Der Ortsvereinsvorsitzende Deniz Schirin hatte die ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Waiblinger SPD in ihre alte Heimat eingeladen, um in ihrer Eigenschaft als Finanzchefin einer Ludwigsburger Hotelkette die städtischen Pläne für ein Hotel am Bürgerzentrum zu beurteilen.
Ihre Firma würde an keinem der diskutierten Standorte ein Hotel betreiben, stellte Stefanie Vitez unumwunden klar. Die Rolle der Kultur für Hotels werde von Bran-chenfremden stets erheblich überschätzt. So stellten zum Beispiel weder das Forum in Ludwigsburg noch dortigen die Touristen ein wesentliches Kundenpotential dar, da ein Hotel die ganze Woche über unterhalten werden müsse. Hotels, wie sie ihre Firma betreibe, könnten nur mit Geschäftskunden wirtschaftlich arbeiten. Für solche Hotels ist eine gute Verkehrsanbindung das wichtigste und oftmals sei ein Standort in einem Gewerbegebiet attraktiver als ein vermeintlich schöner Standort in malerischer Umgebung. Selbst das Haus direkt am Ludwigsburger Forum lebe vor allem von Geschäftskunden.
Neben dem Bürgerzentrum könne sie sich höchstens ein Hotel vorstellen, das von einem Privatmann „mit Herzblut“ betrieben werde. Und auch dann könne es höchstens ein Haus auf 2-Sterne-Niveau sein. Alles andere sei unwirtschaftlich, wie die Berechnungen ergeben haben, die sie eigens für diesen Abend durchgeführt hatte. Aber auch dann bleibe das Problem mit der Parkierung. Gerade Vertreter würden oft erst später abends ankommen und hätten dann noch schwere Koffer dabei. Da sei es ein erheblicher Wettbewerbsnachteil, wenn die Parkplätze im benachbarten Bür-gerzentrum lägen und keinen Aufzug hätten. Wenn es in dem Punkt keine Lösung gebe, sei der Standort „Krautgässle“ ungeeignet.
Unter den Gästen befand sich auch Baubürgermeisterin Birgit Priebe, die nach eigener Auskunft selbst auf die Ausführungen der Hotelfachfrau gespannt war. Auf Bitten der Mitglieder stellte sie die Vorgeschichte der Standortsuche noch einmal dar. Nachdem die Standorte auf dem Hallenbadparkplatz und dem Stauferparkplatz von möglichen Hotelbetreibern als zu weit entfernt vom Bürgerzentrum bezeichnet worden waren, hat die Stadtverwaltung einen neuen Standort gesucht. Und da der Kindergarten „Krautgässle“ sowieso verlegt und vergrößert werden muss, lag das Gebiet nahe. Das erste Gutachten habe nur bestätigt, dass die Fläche groß genug ist. Im Juni werde das zweite, von der SPD-Fraktion beantragte, Gutachten die Vor- und Nachteile der Standorte am Bürgerzentrum und beim Krankenhaus beleuchten. Frau Priebe betonte noch einmal, dass sie es nicht als Aufgabe der Stadt ansehe, ein Hotel zu bauen – das habe sie im Gemeinderat schon öfter klar gemacht. Es gebe in diesem Punkt auch rechtliche Grenzen. Wenn ein Standort geeignet ist, werde sich auch ein Investor dafür finden.
In der folgenden Diskussion äußerten den Mitglieder erhebliche Zweifel am Standort beim Bürgerzentrum. Sabine Raetzel betonte, dass sie sich an dieser exponierten Stelle an der Rems keinen Hotelklotz vorstellen könne. Sie bezweifle zudem, dass hochwertige Architektur die Nachteile am Eingang zu historischen Altstadt ausglei-chen könnte – zumal die Ausführungen von Stefanie Vitez deutlich gemacht hatten, dass dies nicht wirtschaftlich wäre. Helga Straile und Peter Schrade erinnerten dar-an, dass das Bürgerzentrum nicht als Tagungszentrum, sondern als Stadthalle kon-zipiert worden sei. Es sei darum für ein Hotel zu klein. Lisa Sproll sprach sich strikt dagegen aus, dass sich die Stadt an einem Hotelbau beteiligt und auch Helmut Fischer betonte, dass es nur Aufgabe der Stadt sein könne, einen Standort für ein Hotel zu suchen. Klaus Riedel erinnerte an die vier möglichen Standorte und meinte, dass das Parkierungsproblem klar gegen den Standort „Krautgässle“ spräche. Es müsse auch bedacht werden, dass ein Hotel immer auch städtische Infrastruktur benötige. Deniz Schirin plädierte dafür, die bestehenden Hotels in der Diskussion nicht zu vergessen.
Zum Abschluss der Debatte dankte Klaus Riedel Stefanie Vitez für ihre Ausführungen und wünschte sich für den Gemeinderat Debatten, die sich auf einem fachlich ebenso hohen Niveau bewegen. Anschließend gab der Fraktionsvorsitzende noch einen kurzen Bericht aus dem Gemeinderat. Ein Erfolg für die SPD sei, dass im Nahverkehr jetzt doch auch ein Fahrticket für Kinder und Jugendliche von der Stadt bezuschusst wird, nachdem sich der VVS zuerst dagegen gewehrt hatte. Gespannt sei er auf die neuen Ideen der Landesregierung für die Straßenverbindung zwischen Waiblingen und Ludwigsburg. Obwohl Waiblingen eine gute Bilanz bei der Kinderbetreuung aufweist, könne der Rechtsanspruch noch nicht ganz erfüllt werden – hier dürfe man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen.