Von unserem Stadtrat Ulrich Scheiner, Beitrag im Amtsblatt

Veröffentlicht am 06.12.2020 in Fraktion

Liebe Waiblinger Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ein bitteres Jahr voller Beschränkungen und Entbehrungen neigt sich glücklicherweise seinem gruseligen Ende entgegen. Wie wahrscheinlich alle Menschen leide ich unter dem Regime einer Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen meiner Freiheiten und Gewohnheiten, die für mich vor zwölf Monaten unvorstellbar waren.

Für mich bedeutet das konkret, dass ich mich mit extrem kurzfristig bekannt gegebenen Verordnungen beschäftigen darf, meine Freunde nicht mehr so sehe, wie ich mir das wünsche, für das Amt als Elternvertreter in der Klasse meiner Tochter einen deutlich höheren Aufwand benötige als in Vor-Corona-Zeiten, mir in den Sitzungen des Gemeinderats im riesigen Ghibellinensaal des Bürgerzentrums manchmal verloren vorkomme, meinen Verein wiederholt schließen und auf bessere Zeiten vertrösten musste, deswegen mehr Austritts- als Eintrittserklärungen unterschrieben habe, als Kindertrainer keine Stunde voller Spaß beim Fußballspiel am Samstagmorgen anbieten kann und in den öffentlichen Verkehrsmitteln, am Bahnhof, bei der Arbeit und beim Einkaufen eine Mund-Nase-Bedeckung zum Schutz meiner Mitmenschen trage. Das alles ist zugegebenermaßen anstrengend und belastet mich. Und trotzdem sei die Frage erlaubt: worum geht es eigentlich bei den ganzen Verordnungen und Einschränkungen? Geht es darum, dass uns vermeintlich böswillig Freiheiten entzogen werden oder steht dabei nicht viel mehr der Schutz der Risikogruppen, die Unterbrechung von Infektionsketten und die Verhinderung des Zusammenbruchs des Gesundheitssystems im Vordergrund?

Ich bin der Meinung, dass diese Güter Vorrang vor meinem persönlichen Spaß haben und hinzunehmen sind. Kopfschüttelnd und verständnislos blicke ich deshalb auf die zahlreichen Proteste, die seit einigen Monaten wie Pilze aus dem Boden schießen und deren Argumente ich rational nicht nachvollziehen kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine nachdenkliche Adventszeit; bleiben Sie gesund!

Ulrich Scheiner