SPD-Ortsvereinvorstandsmitglied Jula Hutzmann zur aktuellen Situation

Veröffentlicht am 03.05.2020 in Aktuelles

Schule

Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir Schülerinnen und Schüler seit dem 17. März 2020 keinen Schulunterricht mehr. Morgen, am 4. Mai beginnt für sämtliche Abschlussklassen erstmals wieder der Präsenzunterricht in der Schule. Auch für mich steht eigentlich wieder Unterricht an, denn ich schreibe in zwei Wochen meine Abiturprüfungen. Allerdings befinde ich mich zur Zeit in Quarantäne und verpasse somit mindestens eine Woche wichtigen Präsenz-Vorbereitungsunterricht, der uns allen auch in den letzten Wochen fehlte.

Die schwierige Situation ist für viele Schülerinnen und Schüler ein großes Belastung sich selbstständig auf das Abitur oder einen anderen Abschluss vorzubereiten. Es ist eine Situation, die eigentlich niemand von uns je erlebt hat. Dieses Unbekannte löst sicherlich nicht nur bei uns Schülerinnen und Schülern Angst und Unbehagen aus. Doch in solch einer Situation noch Abiturprüfungen oder andere Abschlussprüfungen ablegen? Das ist meiner Meinung nach inakzeptabel und unfair.

Nicht jede Schülerin und jeder Schüler wird in der jetzigen Situation gerecht vorbereitet. Die Unterschiede zwischen einzelnen Schulen sind teilweise extrem und beeinflussen somit die Noten und den Erfolg der Abschlussprüfung. Doch auch die „Ausstattung“ zuhause ist nicht überall gleich. Nicht jede*r Schüler*in hat die Möglichkeit mit dem eigenen Laptop an einem Online-Unterricht teilnehmen zu können. Nicht jede Familie besitzt so viele Endgeräte, um jedes Kind damit versorgen zu können.

Zudem ist diese Situation sehr bedrückend und erschwert es, die Abschlussprüfungen – auch psychisch - unbelastet ablegen zu können. Unter diesem Druck kann die eigentliche Leistung aufgrund der besonderen Umstände verfälscht werden.

Auch wenn die meisten Schülerinnen und Schüler nicht unbedingt zur Risikogruppe gehören, kann es dennoch sein, dass diese sich innerhalb der Schule oder auf dem Schulweg mit dem neuartigen Coronavirus infizieren und dadurch beispielsweise Eltern oder andere Angehörige anstecken, bei denen die Infektion möglicherweise einen schweren Verlauf nehmen könnte. Was ist, wenn ein Schüler infiziert ist und nur milde bis gar keine Symptome zeigt, aber dann in der Schule mehrere Menschen ansteckt?

Es gibt so viele Argumente, die gegen Schulöffnungen und normale Abitur-/Abschlussprüfungen sprechen. Vielleicht denken jetzt viele, dass es zu den Abschlussprüfungen keinerlei Alternativen gibt und die KultusministerInnen deshalb so vehement an diesen festhalten. Doch bezüglich der Abiturprüfungen gibt es eine Lösung, das sogenannte Durchschnittsabitur. Wir haben in den letzten drei Halbjahren bereits ausreichend Leistung erbracht. Es liegen also genügend Leistungsnachweise/Zensuren vor, um dieses Durchschnittsabitur in solch einer schlimmen und schweren Zeit anerkennen zu können.

Sollte die Entscheidung der KultusministerInnen beibehalten werden, die Abschlussprüfungen wie geplant durchzuziehen, habe ich größte Befürchtungen, dass dies zu einer Verschlechterung der Notenschnitte führen wird, da wie oben beschrieben u. a. eine Chancengleichheit nicht gegeben ist.

In anderen Ländern wie Frankreich, Niederlande, Italien, etc. wurden die Abschlussprüfungen abgesagt. Die Zeugnisse werden in Deutschland an den Universitäten dennoch anerkannt. Warum schließt sich Deutschland dann nicht den Nachbarländern an?

Im Internet gibt es eine Petition mit mehr als 150.000 Unterschriften, die als die beste Lösung in diesem Schuljahr das Durchschnittsabitur sehen. Vielleicht sollte man diese Möglichkeit tatsächlich in Betracht ziehen. Dies soll selbstverständlich auch alle anderen Abschlussprüfungen, wie z. B. Mittlere Reife, einbeziehen.