Stadträte haben das Wort - von Ulrich Scheiner

Veröffentlicht am 23.05.2020 in Fraktion

Liebe Waiblinger Mitbürgerinnen und Mitbürger,

man sollte auf Grund der aktuellen Lage den Beitrag zum Amtsblatt nicht an einem Sonntagmorgen nach dem Studium der aktuellen Nachrichten schreiben.

Warum? Wie Sie wissen, stehe ich dem drittgrößten Sportverein unserer Stadt vor, bin Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Sport und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Waiblinger Sportvereine und damit recht eng mit dem Sport in unserer Stadt verbandelt.

Um es so auszudrücken: der Vereinssport in der Form, wie wir ihn kennen, kämpft nicht nur in finanzieller Hinsicht um sein Überleben, sondern vor allem, weil durch COVID-19 die Erreichung des Vereinszwecks massiv bedroht ist.

Mit der ersten Corona-VO der Landesregierung wurde den Sportvereinen aus guten Gründen der Betrieb untersagt. Die Wiederaufnahme des Freizeit- und Breitensports wurde mit der achten Corona-VO vom 09.05.2020 unter Auflagen wieder zugelassen. Diese Auflagen stellen für ehrenamtlich geführte Sportvereine hohe, nahezu unüberwindbare Hürden dar, die Vereinssport in den meisten Fällen nicht ermöglichen, sondern verhindern.

Wenn ich dann sonntags in den Nachrichten lese, dass auf dem Cannstatter Wasen im Namen der Versammlungsfreiheit eine Demonstration mit Tausenden Menschen durchgeführt wurde, dann steigt bei mir als Vereinsverantwortlicher der Blutdruck in einen ungesunden Bereich. Nicht nur einmal wurde ich in der letzten Woche gefragt, weshalb mein Verein zubleibt, wenn gleichzeitig Großdemonstrationen zugelassen werden. Durch solche Veranstaltungen wird die Argumentationsbasis für uns Vereinsvertreter äußerst dünn.

Ich bitte Sie gerade deshalb um Unterstützung Ihrer Vereine durch Ihre Mitgliedschaft. Treten Sie nicht aus, sondern begleiten Sie die Entscheidungen Ihrer Vereine kritisch und vertrauensvoll im Interesse einer vielfältigen Vereinslandschaft nach der Krise!

Herzlichst, Ihr

Ulrich Scheiner

Foto: Bild aus Beinstein