Wo steht der Waiblinger Einzelhandel? - Onlineveranstaltung

Veröffentlicht am 29.03.2021 in Ortsverein

Nicht erst durch die Corona-Krise ist der Handel in der Waiblinger Innenstadt ein wichtiges Thema für die Kommunalpolitik. Darum veranstaltete der Waiblinger SPD-Ortsverein am Mittwoch, 24. März 2021 einen Online-Stammtisch zu diesem Thema. Der Waiblinger Stadtrat und Kandidat für die Bundestagswahl, Urs Abelein, moderierte das Gespräch.

Marc Funk, der Geschäftsführer der WTM, schilderte die Situation in Waiblingen. Die Waiblinger Innenstadt sei immer ein sehr attraktiver Standort. Sowohl zum Einkaufen, als auch zum Wohnen und Arbeiten. Die historische Altstadt biete ein einmaliges Ambiente, habe aber auch Nachteile. So gebe es dort nur relativ kleine Ladenflächen und die Wege seien hügelig und relativ weit. Dennoch hätten viele andere Städte auch so eine gut erhaltene historische Altstadt. Für größere Läden gebe es ja auch den Bereich um die Bahnhof- und Fronackerstraße.
In den vergangen Jahren haben viele traditionelle Geschäfte geschlossen. Das lag aber immer daran, dass die Inhaber keinen Nachfolger gesucht hatten und vielleicht auch nicht wollten, dass das Geschäft weiter besteht. Im Handel gibt es immer viel mehr Wandel, als in der Produktion. Und immer rufen diese Veränderungen Kritik hervor. Als in den 1960iger-Jahren die Supermärkte die sogenannten Tante-Emma-Läden ersetzten, sei es schon genau so gewesen.
Einige Läden stehen auch wegen der Corona-Krise schon länger leer. Dieses Problem haben gerade natürlich alle Städte. Die Stadt habe aber in den vergangenen Jahrzehnten so viel in die Fußgängerzone, die Stadtbücherei und das Rathaus investiert, dass die Kunden und die Geschäftsinhaber die Waiblinger Innenstadt positiv beurteilen.

Max Pfund ist der Vorsitzende des Vereins Innenstadtmarketing und selbst Ladeninhaber. Er berichtete, dass er immer wieder darauf angesprochen werde, dass in Waiblingen Läden fehlten. Wenn er dann frage, was sich die Kunden noch wünschten, komme es nicht selten vor, dass ihnen nichts einfalle. Für ihn sind neue Entwicklungen, wie Barbershops oder Sishaläden keine Probleme, sondern ein gutes Zeichen - alle Generationen halten sich gerne in der Fußgängerzone auf. Damit der Handel dort trotz Internet erhalten bleibe, brauche es immer wieder neue Mitspieler, die sich für ihre Produkte begeistern.

Charly Bickel regte an, dass die Stadt nicht nur Wohnungen, sondern auch Ladenflächen vorhält. Zum Beispiel für "Pop-up-Stores", also kurzfristig eingerichtete neue Läden mit neuen Ideen. In Großstädten gibt es schon viele ähnliche Beispiele. Wenn die Idee erfolgreich ist, zieht der Laden um. Wenn nicht, haben die Betroffen nur ein geringes Risiko.

Sabine Wörner vermisste ein Fachgeschäft für Kinderkleidung in der Innenstadt. Zwar könne man in verschiedenen Läden Babykleidung kaufen. Ein Geschäft für alle Altersgruppen gebe es nicht mehr.

Herr Sauter, der Inhaber des Geschäfts Foto-Kienzle, berichtete, dass die Händler von zwei Seiten unter Druck stehen. Nicht nur die Kunden kauften zunehmend im Internet. Auch die Hersteller von Fotoartikeln belieferten kleine Läden nicht mehr oder wählten auch den Direktvertrieb über das Internet.

Die Stadt könne nur für die Innenstadt insgesamt werben, aber nicht einzelne Geschäfte unterstützen, betonte der Waiblinger SPD-Fraktionsvorsitzende Roland Wied. Ladengeschäfte könne sie nur vermieten, wenn sie damit mit niemand anderem in Konkurrenz trete.

Hanjörg Thomae regte an, Ladengeschäfte oder Büros in Wohnungen umzuwandeln. In den 80er und 90er Jahren seien umgekehrt Wohnungen in Gewerbeflächen umgewandelt worden. Angesichts des Wohnungsmangels könne man nun den umgekehrten Weg gehen.

Eine Umfrage zum Thema "Lücken im Angebot" über die Homepage der Stadt schlug Lizzy Theurer vor. Vielleicht hätten die Bürgerinnen und Bürger auch Vorschläge, die die derzeitigen Händler erfüllen könnten, von denen sie aber noch nichts wüssten, meinte die Stadträtin.

Jörg Buchholz wollte wissen, ob es schon absehbar sei, wann die Leerstände in der Altstadt behoben sind. Marc Funk berichtete, dass diese coronabedingt länger andauern und darum kein Termin sicher ist.