Nachruf Siegfried Künzel - von Klaus Riedel

Veröffentlicht am 21.12.2022 in Aktuelles

 

Liebe Uschi, liebe Jutta und lieber Jochen zusammen mit euren Familien, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Trauergemeinde, 

wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten trauern mit euch um Siegfried Künzel.

Auch die Stadt Waiblingen gedenkt heute mit großer Hochachtung ihres langjährigen und sehr engagierten Stadtrats Siegfried Künzel. Die Teilnahme an dieser Trauerfeier von Herrn Oberbürgermeister Sebastian Wolf, seines Amtsvorgängers Andreas Hesky sowie Hans Wössner und Birgit Priebe und ehemaligen und aktuellen Mitgliedern des Gemeinderates und des Kreistages an dieser Trauerfeier bringt dies zum Ausdruck.

Es war wohl im Winter 1969/70 als mich Siegfried Künzel zum wiederholten Mal daran erinnerte, ja aufforderte, dass ich als Jungsozialist nach zwei, drei Jahren aktiver Mitarbeit in der Waiblinger Jusogruppe nun endlich in die SPD eintreten sollte. Damit begann unser gemeinsamer sozialdemokratischer Weg. Bei ihm wäre er im kommenden Jahr 60 Jahre „lang“.

Ein Weg, der zeigt, dass eine politische Freundschaft auch in eine persönliche Freundschaft übergehen kann.

Es schlossen sich dann ab 1975 lange, ereignisreiche gemeinsame Jahre im Waiblinger Gemeinderat an. Die Platzhirsche im Rat wussten natürlich, dass jetzt die 68iger anrückten und so rückten sie zusammen.

Sieger war zunächst Mitglied im damaligen Bauausschuss. Die Durchsetzung der Waiblinger Fußgängerzone gegen erheblichen konservativen Widerstand, der behutsame und nachhaltige Umgang mit Freiflächen, mehr Raum für Grün und Tierwelt und schließlich das „Waiblinger Modell“ für mögliche neue Wohngebiete waren auch seine Themen. Besonders am Herzen lag ihm jedoch die Arbeit für Bildung und Soziales. Die Schwerpunkte seines Engagements in diesem Bereich wurden bereits genannt. Mit großer Sachkenntnis und Beharrlichkeit forderte er auch der Verwaltung einiges ab. Ich erinnere mich z.B. noch gut daran, wie leidenschaftlich er für die Gebührenfreiheit in den Kindergärten eintrat, weil er sie als Bildungseinrichtungen wie die Schulen verstand, die allen Kindern kostenlos zur Verfügung stehen müssten. Den Nulltarif konnten wir zwar nicht durchsetzen, aber immerhin führte Waiblingen als eine der ersten Städte wenigstens sozial gestaffelte Gebühren ein. Wie hier eilten viele seiner Ideen der damaligen noch herrschenden Denkkultur voraus. So musste auch Sieger so manche Angriffe der politischen Gegner hinnehmen. Es lief häufig nach dem Motto: „Wenn du das Argument nicht schlagen kannst, dann treffe die Person“.

Auch in den eigenen sozialdemokratischen Reihen gab es so manche Reibung. Sieger ging seinen Weg unbeirrt, aufrecht und mit tiefer Überzeugung. Während andere der Sozialdemokratie den Rücken kehrten, blieb er ihr in kritischer Solidarität treu. Parteisoldat zu sein, war nicht sein Ding. Die Grundwerte der Sozialdemokratie „Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ waren jedoch immer sein politischer Kompass.

Als Ende August das grüne Urgestein Christian Ströbele verstarb, zitierte ihn ein Nachruf wie folgt: „Ich bin bereit, bei einer Sache mitzumachen – aber nicht so, wie ihr es wollt, sondern nach meinen eigenen Vorstellungen“. Ich denke, dies war auch ein Leitmotiv für Siegers politisches Handeln. Machen auch wir es uns zu eigen. Dann, so denke ich, wäre Sieger mit uns zufrieden. Sein politisches Wirken in unserer Stadt und die Freundschaft mit ihm könnte nachhaltiger nicht sein.

Nun wünsche ich allen die Kraft und die Hoffnung, aus der tiefen Trauer in eine Zukunft gehen zu können, in der die vielen schönen Erinnerungen wieder Mut und Stütze im Leben geben können.

Bei den Waiblinger Sozialdemokraten jedenfalls bleibt Siegfried Künzel unvergessen.

Waiblingen, 19.12.2022

Klaus Riedel