Remstal-Forum vom 5. Februar 2015

Veröffentlicht am 13.02.2015 in Reden/Artikel
Remstal-Forum

 

 

Die Ware Mensch! Armuts- und Zwangsprostitution hier bei uns?!
Warum gibt es einen Markt für Frauen- und Kinderhandel in Deutschland?
Warum lassen wir die organisierte Kriminalität hinter der Fassade des Rotlichtmilieus so frei innerhalb der Rechtsstaatlichkeit agieren?



Manfred Paulus ist erster Kriminalhauptkommissar a. D., der als Experte im Thema Rotlichtkriminalität sowie des Frauen- und Kinderhandels gilt und dessen fachliche Expertise europaweit geschätzt wird. Beruflich war er international in den Rekrutierungsländern tätig. Als Autor offenbart er schonungslos die Vorgehensmuster der Schleuserbanden, die gewaltsamen Methoden wie Frauen in die Prostitution gezwungen werden und wie dies innerhalb des Rechtsstaates offen, hinter den glitzernden Fassen des Rotlichtmilieus, tag täglich geschieht. Mit seinem im Jahr 2014 erschienenen Buch "Organisierte Kriminalität - Menschenhandel Tatort Deutschland" deckt er auf, bezieht klar Stellung und weist Wege zur wirksamen Bekämpfung auf.

Im Folgenden lesen Sie eine Rezension unseres Genossen Theo Kaufmann:

Manfred Paulus: Organisierte Kriminalität - Menschenhandel Tatort Deutschland
(Klemm+Oelschläger Verlag)

Schockierend ist dieses Buch und aufrüttelnd! Das geht schon im ersten Kapitel los. Dort schreibt Autor Manfred Paulus von Schutzhäusern in den albanischen Bergen. Schutzhäuser mit Stacheldraht umzäunt und Polizeischutz für albanische Frauen, die Opfer von Menschenhandel und Sexsklaverei waren und nun vor den albanischen Mafiosi beschützt werden müssen. Nach diesem wörtlich zu nehmenden „Schlaglicht“ schildert Paulus im zweiten Kapitel unvermindert schlimm alle möglichen Abarten des Menschenhandels. Dazu zählt, da lässt der Autor keine Zweifel, auch der Organhandel dazu. Aber auch das Unrecht, das Asylsuchenden angetan wird, die von Menschenschleppern nach Lampedusa verschifft werden, thematisiert der ehemalige Kriminalhauptkommissar.

Am meisten betroffen gemacht hat mich jedoch der Kinderhandel mit all seinen brutalen Facetten: Erschreckendes liest man über Bettel- und Klaukinder, illegal adoptierte Kinder und Kinderhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung.

Als harter Kontrast sind in die unbeschreiblichen Beschreibungen Abschnitte aus dem Strafgesetzbuch eingeklinkt, die den Leser zu der Frage drängen, wieso trotz all der Gesetze, Menschenhandel bei uns in Deutschland möglich ist. Und warum, so fragt man weiter lässt sich das prototypische ukrainische Mädchen überreden, in Deutschland einen „Job“ zu suchen. Die Antwort ist in ihrer Schlichtheit brutal: Weil sie arm ist, weder kranken- noch sozialversichert und jeden Strohhalm erfasst, den man ihr bietet.

Beim Lesen stelle ich mir immer wieder die gleiche Frage: Wie ist so etwas, wie im Buch beschrieben, überhaupt möglich? Warum lassen das Menschen mit sich machen? Paulus gibt darauf die Antwort, indem er darstellt, wie geschickt der organisierte Frauen- und Kinderhandel zum Zwecke der Prostitution in drei Abschnitten vollzogen wird: Das Opfer wird mit verlockenden Jobs im Zielland angeworben. Bei der anschließenden Schleusung werden die Opfer nicht nur einfach ins Zielland verbracht, sondern unterwegs mit diabolisch-raffinierten Methoden gefügig gemacht. Die Menschenhändler bauen eine Schuldenfalle auf, indem sie den Frauen vorrechnen, was sie für Kosten verursacht haben. Weiterhin wird konsequent Abhängigkeit und Hilflosigkeit erzeugt. So verschwinden plötzlich Handy und  Notizbuch mit Telefonnummern und der Pass des Opfers. Die Kriminellen machen den Mädchen klar, dass sie durch das Benutzen von gefälschten Papieren kriminell geworden sind. Und schließlich wird Widerstand durch Prügel, Vergewaltigung, Demütigung und nicht zuletzt durch Drohungen, den in der Heimat verbliebenen Verwandten etwas anzutun, gebrochen.

Das Lesen dieses Buches würde den Leser in Ohnmacht belassen, gäbe es nicht das Kapitel, in denen nicht wenige Organisationen vorgestellt werden, welche sich auf unterschiedlichste Weise um die kümmern, deren Leid im Buch beschrieben wurde. Aufgeführt sind zum Beispiel weniger bekannte Organisationen wie Amnesty for Women, die sich für Frauenrechte einsetzt sowie die Mitternachtsmissionen, die Prostituierte unterstützen oder bekannte Organisationen wie Hydra, die Anlaufstelle für Prostituierte ist oder Kobra, deren Mitarbeiter sich um Opfer von Frauenhandel kümmern.

Um zu verdeutlichen wie dringend notwendig solche Organisationen sind, stellt Paulus am Ende das Ergebnis einer amerikanischen Studie vor. Nach der sind 89% der Prostituierten verzweifelt, werden ca. 75% der Prostituierten in der Prostitution einmal oder mehrfach vergewaltigt und sind bis zu 95% der Prostituierten tätlichen Angriffen ausgesetzt und, was ich nicht minder schockierend fand, leiden 68% der Prostituirten an posttraumatischen Störungen.

Welche Konsequenzen sind aus der Lektüre dieses Buches zu ziehen? Ich für meinen Teil habe mir vorgenommen, Organisationen und Menschen zu unterstützen, die sich für die im Buch beschrieben Opfer einsetzen und will denen beispringen, die sich in der Politik dafür einsetzen, dass einschlägige Gesetze dergestalt verschärft werden, dass sie den Menschenhandel in all seinen negativen Form wirksamer als bisher geschehen, bekämpfen.

 

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