Schulen: Digitalisierung als Allheilmittel? Ein Beitrag von Stadtrat Dr. Peter Beck

Veröffentlicht am 02.07.2020 in Fraktion

Im Zuge der Corona-Pandemie hört man immer häufiger ein Wehklagen über die mangelnde digitale Ausstattung der Schulen. Es mag ja durchaus sein, dass die elektronische Vernetzung der Schulen zu wünschen übrig lässt und ein Ausbau – insbesondere der digitalen Infrastruktur – notwendig ist. Tatsächlich fehlen oft Endgeräte, um elektronische Medien im Unterricht sinnvoll einzusetzen. Aber die Botschaft, die die aktuelle Diskussion hinterlässt, ist eine andere. Hier wird der Eindruck vermittelt, mit der Digitalisierung werden alle Schwierigkeiten, mit denen die Schulen in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatten, mit einem Mal gelöst. Digitalisierung als Allheilmittel.

 

Dem ist bei Weitem nicht so. Lernen findet nach wie vor in der Kommunikation mit Lehrern und Mitschülern statt. Und unter Kommunikation versteht man sowohl die verbale als auch die nonverbale Gesprächsführung. Menschen offenbaren sich ihrem Gesprächspartner mit ihrer Körpersprache unter Umständen mehr als mit dem gesprochenen Wort. Darüber hinaus ist das „soziale Lernen“ von enormer Bedeutung für eine erfolgreiche Berufskarriere.

Insgesamt hat die Corona-Krise interessante Erkenntnisse für die Schulen gebracht. In den pädagogischen Hochschulen wird bis heute immer wieder gelehrt, die Qualität des Unterrichts hänge nicht von der Klassengröße ab. Corona hat das Gegenteil bewiesen. Wer als Lehrer nur vor der Hälfte der Klasse steht, kann sich dem einzelnen Schüler viel intensiver widmen. Die einzelnen Schüler werden viel häufiger aufgerufen und die Lernzufriedenheit ist bei allen Betroffenen höher.  

Digitale Medien sind nicht mehr als Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen und die Digitalisierung als Allheilmittel betrachten.