Wie das "Waiblinger Modell" verändert werden kann

Veröffentlicht am 16.05.2021 in Ortsverein

Einen Online-Stammtisch über das "Waiblinger Modell zur Baulandentwicklung" hat der Waiblinger SPD-Ortsverein am Dienstag, 11. Mai 2021 veranstaltet. Der Waiblinger Ortschaftsrat, Stadtrat und Kandidat für die Bundestagswahl, Urs Abelein, moderierte das Gespräch. Seit einigen Jahren entwickelt die Stadt Baugebiete nur nach dem sogenannten Waiblinger Modell. Dabei wird ein neues Baugebiet nur dann entwickelt, wenn alle Grundstücksbesitzer ihre Flächen vorher an die Stadt verkauft haben.

Roland Wied schilderte, wie es zu diesem Modell gekommen ist. In Waiblingen gab es vorher die Tendenz, Baugrundstücke für künftige Generationen leer liegen zu lassen. Überall in der Stadt sind solche Lücken noch zu sehen. Das Modell ermöglicht der Verwaltung, die Eigentümer zum Bauen zu verpflichten. Ansonsten die Grundstücke nach einer Frist wieder zurück an die Stadt. Außerdem kann der Gemeinderat für die Baugebiete gewisse Standards festlegen. Am besten sei es, wenn die Stadt selbst Mietwohnungen baue. Doch sie ist auch ein langsamer Bauherr und kann eine schnell steigende Nachfrage nicht schnell befriedigen.
In letzer Zeit wurde das Modell zum Opfer der steigende Immobilienpreise. Das statistische Landesamt hatte die Bevölkerungszahl völlig falsch vorhergesagt. Statt des vorhergesagten Pillenknicks gab es einen Zuwachs um 10 Prozent. Immer wieder nutzten das Immobilienkonzerne, um den Besitzern die Grundstücke teuer abzukaufen und noch teurer zu verkaufen. Wenn die Stadt selber höhere Preise zahlen würde, könnten junge Familien aber nicht mehr bauen. Die Stadt hat es lange versäumt, selbst Grundstücke auf Vorrat zu kaufen.

Urs Abelein forderte, an dem Modell festzuhalten. Es ist ein großer Erfolg, braucht aber bei den hohen Preisen Ergänzungen. Er schlug vor, es um genossenschaftliche Aspekte zu erweitern oder Verträge nach Erbbaurecht zu prüfen. Auch Charly Bickel nannte das Modell einen großen Erfolg. Man sollte es auch einsetzen, um neue Wohnformen zu fördern.

Hermann Fischer erinnerte daran, dass das Wohngebiet Berg/Bürg in Bittenfeld nach diesen Modell entwickelt worden war. Aber sogar so tief in der Provinz hat man den Wohnungsmangel gespürt. Die Grundstücke waren sofort ausverkauft, obwohl es besser gewesen wäre, das Gebiet langsam zu entwickeln. Die Statistiker hatten total falsch gelegen und es ist ein großer Fehler gewesen, dass die grünrote Landesregierung ihnen geglaubt und noch in großem Umfang landeseigene Wohnungen verkauft hat.

Ein Teilnehmer sprach sich im Chat dafür aus, jetzt neue Wohngebiete auszuweisen. Zwar mit Maß und Ziel, aber doch deutlich mehr als bisher. Der Mangel an Mietwohnungen ist nach seiner Meinung das größte Problem in der Region. Viele Menschen könnten weder die Mieten noch die Preise für Wohneigentum leisten.

Die Architektin und ehemalige Stadträtin Sabine Wörner forderte, am Waiblinger Modell festzuhalten. Es gibt noch viele Möglichkeiten für Innenentwicklungen: Gebäude könnten aufgestockt werden oder große Wohnanlagen könnten durch gemeinsam nutzbare Räume für Festlichkeiten oder für Gäste attraktiver werden. Die Region ist zur Zeit der Bauplatz für Stuttgart. Das führt auch zu unnötigem Verkehr und muss in der Regionalplanung angegangen werden.

Der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Klaus Riedel mahnte ein Gesamtkonzept der Stadt an. Mit den Grundstücken der Diakonie und der Bonbonfabrik Kaiser könnten in Zukunft ganz erhebliche Flächen in bester Verkehrslage frei werden. In dem Fall sei es der völlig falsche Weg, weitere Wohngebiete im Außenbereich zu planen.